The Excellence of Cutting!

Nachdem wir Euch in der ersten EXPAND Ausgabe in einem Special die verschiedenen Scarification – Arten mit Schwerpunkt auf Cutting vorgestellt haben, war das Interesse und die Reaktionen groß. Ein wenig hat uns die breite Akzeptanz und Neugier für diese doch noch abseits des „Mainstream“ stehende Form der Körpermodifikation angenehm überrascht!

Leider – wie bei so vielen Dingen wenn Sie in den Fokus der Öffentlichkeit gelangen – lassen auch „schwarze Schafe“ und „Hobbyschnippler“ nicht lange auf sich warten und schon erreichten uns erste eMail in denen wir Fotos und Storys zu Gesicht bekamen, das einem die Haare zu Berge stehen. Die erste Überlegung war solche Werke an den „Pranger“ zu stellen und öffentlich die Defizite zu besprechen, aber damit ist weder den „Opfern“ geholfen noch der Sache an sich. Daher haben wir uns entschlossen positiv an die Sache heran zu gehen und diese Seiten „The Excellence of Cutting“ geschaffen um zu zeigen was geht und wie ein gute Cutting aussieht.

Die Werke stammen allesamt aus der Klinge von Thorsten (Wildcat München) nicht weil er der einzige Artist in Deutschland oder Europa ist – aber sicher einer der Besten seiner Zunft. Dazu kommt, dass dieser Artikel sehr kurzfristig entstanden ist als Reaktion auf die oben beschriebenen Ereignisse.

Thorsten Sekira
Alle hier gezeigten Cuttings sind Arbeiten von Thorsten.
Seit vielen Jahren mit Herz und Seele Bodyart Künstler.

Die häufigsten Fehler

„Begebt euch nicht in die Hände von Pfuschern“ – das wäre ein etwas verzweifelt klingender aber sicher Angebrachter Apell an alle Bodyart-Begeisterten, die sich für ein Cutting interessieren. Um den „Blick hinter die Kulissen“ ein wenig zu schärfen, wollen wir hier einmal die schlimmsten Fehler nennen:

Falsche Klingen

Gerade Anfänger aber auch weniger gut ausgerüstete „Hobby Schnippler“ verwenden meist falsche Klingen. Es gibt die unterschiedlichsten Formen und Größen, die jeweils ihren Eigenschaften entsprechend eingesetzt werden sollten. Verwendet man die falschen Klingen, wird das kontrollierte Schneiden erschwert und es ist unter Umständen gar nicht mehr möglich Feinheiten auszuarbeiten.

Klinge wechseln

Ebenfalls ein beliebter Fehler ist das Schneiden ganzer Cutting-Projekte mit nur einer Klinge. Das wird sehr schnell zur schmerzhaften Angelegenheit für den Kunden, denn selbst eine gute Klinge wird schnell stumpf. Eine stumpfe Klinge bietet dann einfach nicht mehr den gleichmäßigen und sauberen Schnitt, den man für präzises Arbeiten braucht.

Die Motive

Cutting kann sehr kunstvoll und vielseitig sein – leider wird bei aller Anatomie und Technik das Üben ordentlicher Linienführung vernachlässigt. Die Haut ist kein Blatt Papier, das man wegschmeisst und sich ein neues holt wenn man sich verschnitten hat. Auch ist ein Skalpell kein Pinsel, eine Linie muss immer gezogen werden und das im korrekten Winkel und in der richtigen Tiefe.

Die Ästhetik

Zu oft bleibt leider auch die Ästhetik auf der Strecke. Ist die Motivauswahl gelungen, bleibt die Schwierigkeit der ästhetischen Platzierung am Körper. So gilt es nicht nur Bewegungsfalten und Gelenke zu berücksichtigen sondern auch die Schwerkraft – ein Cutting wird zwar im Liegen geschnitten, meist aber im Stehen betrachtet und „getragen“

Die Anatomie

Fehlen grundsätzliche Kenntnisse der Anatomie, wird es meist nichts mit einem ordentlichen Cutting. Vielen Hobby-Cuttern sind die „Langerschen Spaltlinien“, die die Richtung der geringsten Dehnbarkeit der Haut markieren, ein Fremdwort. Die Haut wird nicht oder nicht richtig gespannt und der Schnitt nicht der „Umgebung“ angepasst – damit entstehen unregelmäßige Linien und das Motiv mißlingt.

Die Hygiene

Die Hygieneanforderungen sind beim Cutting mindestens so hoch anzusetzen wie beim Piercing (siehe „SO PIERCEN WIR“). Wer einen solchen Rahmen nicht bieten kann sollte davon absehen an anderen Menschen zu arbeiten.

Die Anleitung

Auch in der Anleitung, die der Kunde mit auf den Weg nach Hause bekommt macht sich leider zu oft mangeldes Wissen um die Behandlung der Wunde und die Pflege allgemein bemerkbar. Gerade beim Cutting möchte man ja eine Keloide Narbenbildung – allerdings ist eine natürliche Veranlagung zu Bildung dieser Narben eher bei jungen und farbigen Menschen gegeben. So mancher Kunde muss also auf „Tricks“ zurückgreifen um die „Wucherungen“ einer Keloiden Narbe anzuregen.

Präzises Arbeiten

Wie schon erwähnt, verzeiht die Haut keine Fehler – der Cutting Artist muss also in der Lage sein längere Zeit konzentriert zu arbeiten. Die Zeit sollte man sich auch nehmen es gibt keine Abkürzungen („there are no shortcuts“).

Anfängerfehler

Die typischen Anfängerfehler, die man auch nur durch langes Üben in den Griff bekommt sind unregelmäßige Schnittiefen und das Überschneiden der Spitzen („cross cutting“). Gerade im flachen Winkel zulaufende Spitzen und Ecken sind sehr schwierig auszuarbeiten.

Selbstüberschätzung

Nach anfänglichen Erfolgen neigt man dazu seine Fähigkeiten und Ausdauer zu überschätzen. Das Ergebnis sind Projekte und Motive, die in ihrer Filigranität oder Größe nicht bewältigt werden können. Wie bei vielen Sachen gilt auch beim Cutting „Übung macht den Meister“ und nur ein langsames Steigern und Heranarbeiten an komplexere Motive gewährleistet ein hohes Niveau.

Gerade auch fortgeschrittenere Techniken wie das Skin Removal (flächige Entfernen der oberen Hautschichten) fordern viel Übung, Erfahrung und zusätzliches Wissen.

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