Tattoo Grundlagen Teil 1

Wenn ein “Mensch vom Fach” etwas beschreiben oder erklären möchte, ist es leider meist für einen Laien oder Neuling auf dem Gebiet unverständlich. Warum? Weil jemand, der täglich mit einer Materie zu tun hat, oftmals Details oder Hintergründe als selbstverständliches Wissen voraussetzt, die aber ein Laie nicht zwingend wissen muss oder so einfach verstehen kann. Häufig reißt dann im Laufe des Artikels, wenn es zu fachlich wird oder Zusammenhänge nicht mehr nachvollzogen werden können, das Interesse an einem Fachartikel ab, weil selbst der gewillte Leser nicht mehr folgen kann. Dies ist der Grund, weshalb wir uns an dieser Stelle einmal darum bemüht haben eine Artikelserie zum Thema Tattoo zu starten. Wir konnten mit Ralf von Gestochen Scharf zwar einen Mann vom Fach für diese Artikelserie gewinnen, haben ihm aber das Versprechen abgerungen “ganz von vorne” mit den elementaren Dingen des Tätowierens zu starten.


Tätowieren-“was ist das?

Als Tätowieren bezeichnet man das Einbringen von Farbpigmenten mit Nadeln, Klingen oder ähnlich spitzen Werkzeugen in die Haut. Dort verbleiben diese in der Regel bis zum Zerfall der Haut, sprich bis zum Tod. Das macht einen entscheidenden Reiz des Tätowierens aus. Einmal eingebracht, verlassen die gezeichneten Muster den Körper nicht mehr von selbst. Einzig der von der UV-Strahlung abhängige Zerfall des Pigments kann eine Tätowierung über die Jahre langsam verblassen lassen. Hierbei variiert die Stärke des Zerfalls von Pigment zu Pigment. Ein roter oder gelber Farbton verblasst schneller als z.B. das sehr stabile Schwarz. Zur Entfernung von Tätowierungen später mehr. Nun kann man die Farbpigmente direkt mit der Nadel bzw. dem Werkzeug in die Haut stechen, aber auch in dafür gemachte Wunden reiben. Diese Methode ist nur noch sehr selten anzutreffen, wenn überhaupt noch, dann eher im rituellen Bereich. Auch weil die grafischen Möglichkeiten sehr begrenzt sind. Es sind nur grobe Muster, quasi eingefärbte Scarifications, deren Farbgehalt nur schwer vorherzubestimmen ist. Trotzdem wird diese Methode wohl die ursprünglichste Form des Tätowierens sein, denn es ist wahrscheinlich, dass die ersten Tätowierungen aufgrund von eher zufällig in Wunden geratenen Schmutzpartikeln entstanden sind. Daraus hat sich das Einstechen von Pigmenten entwickelt um das es im weiteren Verlauf des Artikels gehen wird. Hier kann man prinzipiell in zwei verschiedene Methoden unterteilen: nämlich dem Tätowieren per Hand und dem mit der Tattoomaschine. Bei der ursprünglichen Hand-Technik, die heute auch im nicht-asiatischen/ polynesischen Raum populärer wird, wird die Nadel oder die Werkzeugspitze mit reiner Körperkraft bewegt. So schieben die traditionellen asiatischen Tätowierer die Farbe mit einer an einem Stab befestigten Nadelgruppe in die Haut. Im polynesischen Raum werden die Pigmente in die Haut “geklopft”. Diese Arten des Tätowierens wurden schon in frühen Epochen der Menschengeschichte entdeckt, in verschiedenen Regionen der Erde unabhängig voneinander. Aber auf die Geschichte, die Anthropologie des Tätowierens, gehen wir (hier erstmal) nicht sehr viel tiefer ein. Bleiben wir bei Grundlegendem. Die modernere Methode benutzt eine Maschine, die die Bewegung der Nadel übernimmt. Für diesen Fall gibt es sowohl Geräte bei denen die Nadeln an einem von Spulenmagneten in Schwingung gebrachten Hebel befestigt sind als auch Maschinen, die einen Elektromotor mit Exzenter benutzen. Spulenmaschinen sind die am häufigsten verwendeten, unter anderem weil sie mehr Einstellungsmöglichkeiten bieten als die motorbetriebenen Rotarys. Aber die Rotarys sind zurzeit schwer im Kommen. Waren diese früher im Nachteil, weil vielen Tätowierern die Einstellungsmöglichkeiten zu begrenzt schienen, schwören heute wiederum andere Tätowierer auf diese Technik, weil sie eine sehr solide Tiefe erreicht und sehr gleichmäßig sticht. Bei der Rotary übernimmt ein Elektromotor die Bewegung der Nadel, die unzentrisch an dessen drehender Welle befestigt ist, ähnlich den Kolben und der Kardanwelle in einem Benzinmotor. Ursprünglich geht diese Art der Tattoomaschine auf eine Erfindung von Thomas Edison zurück, der mit dieser Technik einen “Gravier-Stift” entwickelt hat. Später übernahm Samuel O‘Reilly diese Konstruktion, um sich dann ein Patent auf die erste Tattoomaschine eintragen zu lassen. Kurz darauf meldete ein gewisser Thomas Riley das erste Patent auf eine elektromagnetische Spulenmaschine an. Auf dieser Konstruktion basiert die heutige moderne Spulen-Tattoomaschine, mit einem Unterschied: Im Gegensatz zur Rileys Maschine benutzen die heutigen Maschinen zwei Spulenmagneten um die Nadel in eine Auf- und Abbewegung zu bringen. Die Vorteile der Spulenmaschine bestehen darin, dass man sowohl den Hub der Nadel verstellen kann als auch die Härte. Eine Rotary geht immer den gleichen Weg auf und ab und kann nur in der Geschwindigkeit geregelt werden. Die Spulenmaschine erlaubt dem Tätowierer mit verschiedenem Druck in die Haut zu gehen. Schattierungen werden “weicher” gestochen, was schöne Verläufe bringt, während Outlines hart und schnell gestochen werden können. Mittlerweile gibt es auch pneumatisch betriebene Tattoomaschinen, die laut der zur Zeit noch testenden Profis ebenfalls sehr weich und kontrolliert laufen sollen. Es ist absehbar, dass die Pneuma ihre Daseinsberechtigung durchsetzen wird. Hierzulande sieht man sie aber eher selten. Elektrisches Tätowieren ist schneller als mit der Hand, warum also lassen sich heute noch so viele, gerade im asiatischen Raum, wo kunstvolles Tätowieren eine lange Tradition hat, mit der Hand tätowieren ? Zum einen ist es eben genau dieses Traditionelle, das einen besonderen Reiz und Wert ausmacht, zum anderen sagt man, dass die von Hand gestochenen Tattoos schneller heilen und die Farben mehr Leuchtkraft haben, was mit der sanfteren, weniger traumatischen Verletzung der Haut zu tun hat. Stellen, die der elektrischen Maschine Probleme bereiten, können mit dem manuellen Stechen besser bewältigt werden. So greift man gerne bei Handinnenflächen darauf zurück.


Und wie geht das nun mit der Nadel, der Haut und dem Pigment?

Die Nadel ist nicht hohl, wie es viele Laien erstmal vermuten, die sich über das Tätowieren Gedanken machen. Es wird nicht, wie beim Airbrush, Farbe durch eine Hohlnadel in die Haut gespritzt. Nein, beim Tätowieren, egal ob mit Maschine oder von Hand, wird die Nadel nur in die zu verwendende Farbe getaucht um danach in die Haut gestochen zu werden. Bei der Tattoomaschine saugt sich durch die Kapillarkraft Farbe in die Führung der Nadel. Ist diese aufgebraucht, muss der Tätowierer die Spitze wieder in Farbe tauchen um weiter deckend zu arbeiten. Beim Per- Hand-Tätowieren werden die Nadeln mit Fasern zusammengebunden, welche Farbe aufnehmen. Aber auch hier hilft die Kapillarkraft indem sie Farbe zwischen den eng gebündelten Nadeln festhält, die der Tätowierer dann mit in die Haut schiebt. Warum benutzt man keine Hohlnadel? Weil diese entweder zu eng für den gleichmäßigen Durchfluss von Farbe wäre oder bei größerem Durchmesser/ Loch zu traumatisch (verletzend) beim Eindringen in die Haut, was wiederum zu unerwünscht großem Farbverlust während der Abheilphase führen würde. Außerdem würde eine Hohlnadel durch Hautteile verstopfen. Also müssen ganz alleine die Adhäsionskräfte dafür sorgen, dass die Pigmente an der Nadel haften bleiben während sie in die Haut eintaucht. So ist auch erklärbar, dass verschiedene Hauttypen verschieden gut zu tätowieren sind. Harte hornige Haut “schiebt” mehr Pigmente von der Nadel weg, was zur Folge haben kann, dass nicht genügend Farbe bis in die Derma kommt, was ein Nachstechen von Nöten macht. Eine gute Nadel, die die Haut möglichst wenig verletzt, ist eine Grundvoraussetzung für eine schön abheilende Tätowierung. Und: Je weniger Verletzung, desto weniger Gefahr von Narbenbildung. Wird mit einer guten Nadel gearbeitet und wird nicht zu oft über die gleiche Stelle gegangen, kann man die intakten Poren der Oberhaut nach dem Tätowieren noch gut erkennen.


Was für Nadeln werden benutzt?

Beim modernen Tätowieren werden Nadeln in verschieden großen Bündeln benutzt. Man kann sich das so vorstellen wie bei Pinseln im Malerbedarf. Es gibt Nadelgruppen, die vorne wie ein Dachshaarpinsel spitz zulaufen. Diese benutzt man für Außenlinien (Outlines) und scharfe grafische Kanten. Gleich den runden Borstenpinseln gibt es eine Nadelgruppe, die “Roundshader” heißt. Diese wird in der Regel für kleinere Flächen benutzt. Bei allem, was größer ist, kommen so genannte “Magnums” zum Einsatz. Diese sehen fast aus wie flache Borstenpinsel. Letztendlich bestehen Magnums aus einer flachen Reihe von Nadeln, die abwechselnd nach oben und unten zeigen, was von Vorne so aussieht als wären es 2 Schichten von Nadeln. Outliner gibt es als Single-Needle bis hin zu breiten 15er Outlinern. Single- Needles werden heute fast nur noch im Portraitbereich benutzt. Roundshader fangen bei 3ern an und gehen rauf bis zu Bündeln, die um die 20 Nadeln besitzen. Die beliebte Magnum bewegt sich im Bereich von 5 bis 49 Nadeln. Mit einer großen Magnum lassen sich, gute Technik vorausgesetzt, sehr sanfte großflächige Farb- und Grauverläufe tätowieren, ohne dass man die Punkte der Einstiche sieht. Wenn jemand mit zu kleinen Nadelgruppen große Flächen schattiert, sieht das in etwa so aus als wenn man mit einem zu harten Bleistift sanfte graue Flächen ausfüllen möchte: Man sieht die Striche, die der Bleistift gemacht hat und keine homogene graue Fläche. Die einzelnen Nadeln können selber noch unterschiedliche Stärken haben. So gehen diese von 0.25 bis 0.40mm Dicke. Jede Nadelstärke hat ihre Vor- und Nachteile, jeder Tätowierer schwört da auf einen anderen “Standard” oder Anwendungsbereich der einzelnen Stärken.


Wo kommt das Pigment dann genau hin oder: “Wie tief sticht der Tätowierer?”

Das ist nicht in einer genauen Millimeterzahl zu erfassen, denn der menschliche Körper hat nicht an allen Körperstellen eine gleichdicke Haut. Haut ist zwei bis vier Millimeter stark. Die Pigmente sollen nach Möglichkeit in die Dermis. Das ist die Hautschicht, die über dem Fettgewebe sitzt, aber unter der Epidermis, die z.B. bei einem Sonnenbrand, aber auch sonst fortwährend Hautschuppen abstößt. Die Eigenschaften der Dermis sind die Lebensgrundlage für den Tätowierer, die Eigenschaften der Epidermis freuen nur die Hausstaubmilben. Was passiert, wenn der Tätowierer die Dermis nicht trifft? Sticht er nicht tief genug, sprich die Farbpigmente kommen nur in die Epidermis, verblasst das Tattoo direkt während der Abheilphase, weil der Körper im normalen Rahmen der Wundheilung diese abstößt. Das nennt man sinnigerweise “Fallout”. Sticht er zu tief, wandert das Pigment lustig durch das Fettgewebe und die Tätowierung verschwimmt. Es gehört aufgrund der nicht fest bestimmbaren Stichtiefe eine gesunde Portion Erfahrung dazu immer die richtige Tiefe zu treffen. Ein Tätowierer “fühlt” quasi auch wie tief die Nadel gerade sticht.


Was macht das Pigment dann in der Haut?

Es haftet sich an Hautzellen an. Da auch die Dermis sich stetig erneuert, sprich es sterben Zellen ab, neue Zellen entstehen, kann das Pigment mit der Zeit seine Position geringfügig verändern. Weil es sich nach dem Tod der Ursprungszelle eine neue Zelle in der unmittelbaren Nähe sucht, wo es dann bis zu deren Absterben verbleibt, “wandert” das Pigment leicht. Man sagt, Haut erneuert sich innerhalb von 7 Jahren einmal komplett neu, weshalb ältere Tattoos auch leicht verschwommen aussehen. Nach 10-15 Jahren sind die Linen weniger scharf und leicht dicker, als in den ersten Jahren nach dem Stechen. Dieses “Verschwimmen” variiert je nach Körperstelle. An Händen, Füssen und den Stellen, die eher in stetiger Bewegung sind, ist der Effekt stärker. Aber auch die Präzision beim Stechen beeinflusst das Aussehen der alternden Tätowierung. Ist ein Tätowierer da eher der Grobmotoriker, sehen die von ihm gemachten Arbeiten gerade nach ein paar Jahren “unscharf” aus. Aber es gibt auch Hautstellen, die nach und nach die Farbe wieder “abgeben”. Abgeben ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Sie erneuern sich mehr als andere Stellen und stoßen Hautzellen bis in die Oberhaut ab. Dazu gehören die Fußsohlen und die Innenlippe. Hier kann man damit rechnen, dass einige Jahre nach dem erfolgreichen Tätowieren sich das Tattoo der Auflösung hingibt.


Woraus besteht nun diese Tattoofarbe?

Tätowierfarbe ist eine Dispersionsfarbe. Es sind feinste gemahlene, feste Pigmente, die in einer Flüssigkeit gelöst sind. Die flüssigen Bestandteile werden fast vollständig vom Körper abgebaut während das Pigment zu groß ist um vom Immunsystem abtransportiert zu werden. Zum Glück, denn sonst wäre Tätowieren so nicht möglich. Die verwendeten Pigmente/ Farben unterliegen zurzeit noch der Bedarfsgegenstände- und der Kosmetikverordnung, was voraussetzt, dass diese auf Schwermetalle, hochallergene Stoffe und Verunreinigungen getestet sein müssen – zumindest theoretisch. Um eine einheitliche und zwingende Regelung für Tattoofarben zu bekommen arbeiten derzeit Farbhersteller, der D.O.T. und das Ministerium für Verbraucherschutz an der so genannten “Tätowiermittel-Verordnung”. Diese sollte eigentlich dieses Jahr noch in Kraft treten. Die neue Verordnung verbietet – neben einigen gesundheitsschädlichen Pigmenten – auch Azo-Farbstoffe. Einige Mitglieder der Azo-Familie gelten als krebserregend, weshalb man diese Art der Pigmente gänzlich streicht. Aber ob diese Verordnung in allen Punkten Sinn macht, da sind sich die Fachleute nicht einig.


Was ist mit der in den Medien breitgetretenen Autolack-Verunreinigung?

Es ist müssig immer wieder darüber schreiben zu müssen, aber da erst letztens wieder eine Krankenkasse mit der Behauptung, es würde sich in einigen Tattoofarben Autolack befinden, an die Presse gegangen ist (welche sich grade im Sommer gerne jedes billigen Mittels bedient, um die Zeitungsautomaten leer zu bekommen), hier noch mal der Sachverhalt: Tattoofarben enthalten keinen Autolack und haben es auch noch nie. Diese Behauptung ist eine wissentliche, vorsätzliche Verdrehung eines ganz einfachen Sachverhaltes. Es gibt Pigmente, die in Tattoofarben, aber auch in anderen Substanzen vorhanden sein können. So könnte eine Tattoofarbe ein Pigment enthalten, das vielleicht auch in Lebensmittelfarbe zu finden ist, aber vielleicht auch in Autolack. Das heißt noch lange nicht, dass diese Lebensmittelfarbe Autolack enthält, sondern sie einfach auf dem selben Farbpigment aufgebaut sind. Backpulver wird z.B. auch für die Herstellung von der Droge “Crack” benutzt, ist nun in Brötchen auch “Crack”? Der Umkehrschluss wäre hier sinnfrei, wie bei Tattoofarben und Autolack auch. Ärgerlich ist es, dass sich solche gut ausschlachtbaren Pseudowahrheiten immer wieder in die Öffentlichkeit spielen. “Autolack in Tattoofarben” ist und bleibt eine “Urban Legend”.


Was passiert nach dem Tätowieren?

Die Haut heilt ab, ohne das Pigment aus der Dermis wieder abzustoßen. Aber die Oberhaut stößt erst die überschüssige Farbe ab und erneuert sich dann komplett. So hat man während der Abheilzeit, die in der Regel 28 Tage dauert, farbigen Wundschorf oder zumindest farbige Ablagerungen auf der Wunde. Diese fallen von selber ab und sollten höchstens mit einer Wundsalbe beim Abheilen unterstützt werden. Weniger ist oft mehr, man sollte das Tattoo nicht mit Creme “ersticken”. Nach den ersten ein bis zwei Wochen hat die Haut schon wieder eine Deckhaut gebildet, die leicht silbrig glänzt wie Zwiebelhaut. Ist diese erstmal aufgebaut, ist das Pigment relativ “save” in der Haut, lediglich starke UV-Strahlung kann nun noch zu Komplikationen führen. Komplett abgeheilt ist die Tätowierung allerdings erst nach vier Wochen. Solange braucht Haut um sich nach Verletzungen zu regenerieren. Aber auch nach vier Wochen kann es noch sein, dass die Oberhaut das Ergebnis verfälscht, weil sie milchig wirkt. So kann z.B. ein Rot-Ton wie Rosa wirken, obgleich er unter der milchigen Haut “echt” Rot ist. Das geht aber innerhalb der ersten Wochen weg. Auf ausführliche Hinweise zur Tattoonachpflege verzichten wir hier an dieser Stelle, denn dort empfiehlt jeder Tätowierer etwas anderes, weshalb die umfassende Abhandlung dieses Themas einen eigenständigen Artikel abgeben würde.


Können durch das Tätowieren Krankheiten übertragen werden?

Hier mal ein klares “JA”. Bei allem, was mit Körperflüssigkeiten zu tun hat, können rein theoretisch Krankheiten übertragen werden. Seriöse Tätowierer benutzen ausschließlich steril verpackte Einwegnadeln/Griffstücke, sterilisieren ihre Griffstücke und packen alles, was sie mit den Arbeitshandschuhen während des Tätowierens anfassen müssen (Sprühflasche, Maschinenkabel, Tattoomaschinen etc.) mit Folie ein um eine Ãœbertragung von Keimen und Erregern von einem Kunden auf den nächsten zu verhindern. So werden Kreuzkontaminationen verhindert. Als Kreuzkontamination versteht man in diesem Fall die Ansteckung über kontaminierte Gegenstände, die aufgrund der kurzen Lebensdauer des HIV-Virus außerhalb des Körpers (15 Minuten) zwar nicht AIDS übertragen können, aber zumindest die Gefahr einer Hepatitis-Ansteckung in sich bergen. Nadeln und Griffstücke werden vor dem Kunden aus der steril haltenden Verpackung gebrochen. Alles andere sollten Einwegprodukte sein. Arbeitet ein Tattoostudio mit Abdeckung der kontaminationsgefährdeten Stellen und benutzt Einwegprodukte und Einwegnadeln, so kann man sagen, dass der Tätowiervorgang zu 100 Prozent sicher und eine Krankheitsübertragung von einem auf den nächsten Kunden unmöglich ist.


Was lässt sich alles tätowieren?

Der künstlerischen Entfaltung setzt höchstens die Beschaffenheit der Haut Grenzen. Prinzipiell ist auf Haut zu übertragen, was sich auch auf Papier darstellen lässt. Einschränkungen gibt es nur aufgrund der weiter oben schon genannten Eigenschaft der Haut, Tätowierungen über die Jahre leicht schwammig werden zu lassen. So können zu kleine Details zusammenlaufen und unkenntlich werden. Gute Tätowierer planen das mit ein und versuchen ihre Arbeiten so zu gestalten, dass diese auch in vielen Jahren noch gut zu erkennen sind. Was es nicht gibt, sind Farben wie Gold und Silber, da dies im eigentlichen Sinne keine Farben sind, sondern über den Oberflächenglanz wirken, was beim Tätowieren nicht möglich ist, weil über dem Licht reflektierenden Pigment noch matte Hautschichten liegen. Wenn man über eine spiegelnde Fläche ein Pergamentpapier legt, bleibt von der glänzenden Oberfläche nur die Grundfarbe (Gelb bei Gold, Grau bei Silber). Solche Effekte können aber mittels Imitation des Glanzes dargestellt werden. So stellt man beispielsweise auch im Airbrushbereich Chrom da.


Können Tätowierungen wieder entfernt werden?

Jein. Gab es früher nur die Möglichkeit Tätowierungen mittels Schneiden, Brennen oder Hobeln unter Verursachung dicker Narben zu entfernen, ist die Technik heute weiter. Mit einem Laser lassen sich einige Farben restlos aus der Haut entfernen, allerdings nicht alle. Ein solcher Laser brennt nicht die Farbe weg, wie es vielleicht erstmal logisch erscheinen mag, aber auch Narben hinterlassen würde. Ein Laser, sofern er richtig angewendet wird, spaltet die in der Haut eingelagerten Pigmente auf, sodass das Immunsystem diese abtransportieren kann. Dabei werden in der Haut selber Temperaturen erreicht, die diese ohne Narbenbildung verkraften kann. Jedoch sind aufgrund der eingeschränkten Frequenzen solcher Laser nicht alle Farben “spaltbar”, sprich es gibt Farben (Rot, Braun), die nicht ohne weiteres entfernbar sind. Des Weiteren sollte man diese Möglichkeit des Entfernens nur anwenden, wenn wirklich nicht anders (Coverup) vorgegangen werden kann, denn der Abtransport durch das Immunsystem bedeutet nicht, dass die Farbe nicht noch Komplikationen hervorrufen könnte. Gerade die Spaltprodukte von Tattoofarben sind noch nicht ansatzweise ausreichend untersucht worden, sodass man nicht sagen kann, ob eine aufgespaltete Farbe nicht ganz anders auf den Körper wirken könnte als das Ausgangsprodukt. Rein theoretisch könnte so eine “entfernte” Farbe noch eine allergische Reaktion hervorrufen, obwohl diese im “Ruhezustand” dem Träger keinerlei Probleme bereitet hat. Aber über diese Zusammenhänge kann man nur spekulieren, weil es noch keinerlei Erhebungen oder Statistiken zu dem Thema gibt. Allerdings sollte erwähnt werden, dass in vielen anderen Ländern (USA, asiatischer Raum) das Lasern schon länger in großem Maße praktiziert wird und es keinerlei Meldungen über daraus entstehende Komplikationen gibt.


Ende Teil 1

Hiermit wären die grundsätzlichen Dinge beim Tätowieren abgehandelt. So funktioniert es, das ist der Grundstock an Informationen. Da im Tattoobusiness immer noch viele eine unzeitgemäße Geheimhaltung befürworten, ist nur auf grundsätzliche Techniken eingegangen worden. Wir werden im weiteren Verlauf dieser Reihe auch noch mehr Technik zum Thema haben – ohne aber als Anleitung gelten zu wollen. Wir, von der Expand, sind der Meinung, dass der Interessierte sehr wohl technische Infos haben darf, auch wenn er selber nicht tätowiert. Vorallem weil man wirklich alles an Infos heutzutage im Netz finden kann, aber aus dem Aufgeschnappten eher ein gefährliches Halbwissen entsteht. Anleitungen zum Tätowieren wird es hier nicht geben, aber durchaus Erklärungen zu Fachbegriffen oder Material. Ralf

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